Die Cap-Metamorphose
Auf der Schule in Berlin, wo ich früher war, habe ich immer zu den Trägern von stylischen Caps aufgeschaut und mir erträumt, dass ich eines Tages auch mal Caps, am besten At Hardy, von meiner Mutter gekauft bekomme. Neben meiner Bewunderung für die privilegierten Träger von Caps mischte sich aber auch ein gewisser Hass. Meine Mutter zwang mich nämlich im Winter zum Tragen einer Pudelmütze und wenn es kälter wurde musste ich obendrein noch Ohrenschützer tragen. Dieser Umstand bot den Cliquen mit ihren Caps natürlich eine Steilvorlage…
Eine Besserung war nicht in Sicht, da mir meine Mutter das Tragen von Caps strengstens untersagte. „An Caps klebt der Geruch der Gosse“ waren ihren Worte zu dem Thema gewesen. darüber hinaus hatte sie die Lehrer darum gebeten, dass sie ihr sofort Meldung erstatten, wenn ich im Geheimen mein Haupt mit Caps zieren sollte.
Eines Tages wurde mir alles zu viel und ich riss von zu hause aus. Mein Taschengeld verwendete ich natürlich für eine der ersehnten Caps. Sie war von Billabong und hatte einen roten Totenkopf mit Flammen. Wie der König der Stadt setzt ich mich mit einer der schönsten Caps der Welt in die U-Bahn und fuhr Richtung Potsdam. Leider war auch die besagte Gang aus der Schule im Wagon. Sie erkannten mich gleich und trotz oder gerade wegen meines neuen Looks war ihr Spott um so bitterer. Sie stahlen mir mein neues Accessoire, warfen es aus der Bahn und winkten mit ihren Caps hinterher. Ich sprang ohne zu überlegen hinterher und wachte am nächsten Tag mehr oder minder unversehrt im Krankenhaus auf. Mein erstes Wort soll wohl „Caps“ gewesen sein…
Im Zusammenhang mit den Caps wurde meine Mutter einsichtig und erlaubte mir in Zukunft diese Mode. Ein paar Monate später zogen wir nach Nürnberg, wo ein neues Leben mit neuen Freunden, einer neuen Schule und neuen Caps begann.